Erlebniswelten der besonderen Art

Die Sammlungen


Ortsgeschichte und Regionalkultur, Einblicke in fremde Traditionen und Lebenswelten.
Und die Geschichte eines Allgäuer Seefahrers …


Im ehemaligen Pfarrhof aus dem 18.Jahrhundert präsentiert das Historische Museum auf drei Ebenen Regionalkultur und Ortsgeschichte. Das gesamte zweite Obergeschoss bietet auf 130 qm Raum für Sonderausstellungen.

Weit zurück in die Vergangenheit führen Grabungsfunde aus der Römerzeit und dem Hochmittelalter. In einzigartiger Weise verweist die Landtafel der Pflege Liebenthann von 1714 und die zeitgenössische Registratur auf die Zeit der stiftkemptischen Zugehörigkeit.
Zeugnisse zur Kirchengeschichte und dem lokalen Wallfahrtswesen ebenso wie zu Zünften und ortstypischen Handwerken wie Wachsziehern, Blaudruckern oder Saliterern gewähren Einblicke in vergangene Zeiten.

​​​​​​​Das reiche Vereinsleben des Marktfleckens um die vorletzte Jahrhundertwende – vom Schützen- über den Radfahrer- bis zum Theaterverein – wird anhand unterschiedlichster Exponate anschaulich erläutert. Historische Kleidung und Tracht-Elemente wie Radhauben und „Geißeuterle“ sind ebenfalls zu finden.
Den Grundstock der Gemäldesammlungen bildetder Nachlass des Obergünzburger Kunst- und Historienmalers Johannes Baptist Kaspar (1822-1885), nur wenige Jahre später durch elf Ölgemälde des einheimischen Künstlers Benedikt Kiechle (1805-1834) ergänzt.

​​​​​​​Aus dieser Zeit stammen auch die beeindruckenden Original-Panoramen des Obergünzburger Bergsteigers und Zeichners Georg Roggenhofer (1859-1924).
Und wie kommt die Südsee ins Allgäu?
1884 träumt ein 10-jähriger Seifensiedersohn im Allgäu nach einer Reise an den Bodensee davon, einmal königlich bayerischer Schiffskapitän zu werden. Und am anderen Ende der Welt erhebt das deutsche Kaiserreich mit der Flaggenhissung auf der Insel Mioko erste Gebietsansprüche im Südpazifik.


Zwanzig Jahre später ist der gebürtige Obergünzburger Karl Nauer wie erträumt Kapitän, und befährt zwischen 1903 und 1913 im Dienst des Norddeutschen Lloyd die Inselwelt des Bismarck-Archipels, Zentrum der damaligen Kolonie Deutsch-Neuguinea. Händler, Pflanzer, Beamte, Missionare, auch zahlreiche Wissenschaftler kommen an Bord seines Dampfers „Sumatra“. Nauer wird zu einer wichtigen Kontaktperson für deutsche Völkerkundemuseen, und zu einem versierten Sammler.

Herzstück der Südsee-Sammlung ist der historische Bestand der von Kapitän Karl Nauer (1874-1962) in diesen Jahren gesammelten Ethnographika. Bereits 1913 stiftete der „Allgäuer Seefahrer“ aus Obergünzburg seine Privatsammlung seiner Heimatgemeinde. Seit 2009 wird dieses Erbe in einem speziell diesem seit über 100 Jahren bewahrten geschlossenen Bestand gewidmeten Museumsneubau auf zwei Ebenen präsentiert. Quantitativ und qualitativ handelt es sich bei den ethnographischen Objekten aus Melanesien und Mikronesien um eine der eindrucksvollsten Ozeanien-Sammlungen im süddeutschen Raum, und um eine außerordentliche Bereicherung der regionalen Museumslandschaft.
Die historischen Exponate stammen in erster Linie aus dem Bismarck-Archipel, die Sammlung umfasst Alltagsobjekte wie Waffen oder Kopfbedeckungen ebenso wie seltene Kultgegenstände. Die Bandbreite reicht dabei von Obsidian-Dolchen und –Speeren von den Admiralitätsinseln über Ahnenfiguren, darunter eine Uli-Figur von Neu-Irland (damals Neu-Mecklenburg), bis zu einem Initiandenhut der Upi von den nördlichen Salomonen. Der Bestand der Südsee-Sammlung beinhaltet überdies an die 400 Glasplatten-Negative, die Karl Nauer auf in und nach der Südsee aufnahm. Diese stellen eine besonders wertvolle Quelle zur Kontextualisierung der materiellen Objekte dar.

Darüber hinaus ermöglichen in die Schausammlung integrierte Medienstationen, in einmaliger Weise aber vor allem die 2009 im Museum wiederaufgebaute, traditionelle melanesische Wohnhütte (aus dem Kastom-Dorf Bunlap auf der Insel Pentecost/Vanuatu) kleinen und großen Besucherinnen und Besuchern direkte und unmittelbare Einblicke in Kulturen Melanesiens.
Südsee-Sammlung Obergünzburg
Unterer Markt 2 
87634 Obergünzburg 
Tel.: 08372 – 8239
Fax: 08372 – 900 40 
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