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Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges übernahm Nauer das Kommando auf der Sigmaringen, die zu dieser Zeit im Südamerika- und Ostasiendienst eingesetzt war. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erhielt Nauer seine Einberufung zur Kriegsmarine im August 1914 und wurde als Oberleutnant der Reserve auf der S.M.S Wettin verpflichtet. Im Anschluss war er auf Kriegsschiffen in Nord- und Ostsee stationiert, sowie bei der U-Bootsflotille im Mittelmeer. Für seinen Kriegseinsatz wurde er mit dem „Eisernen Kreuz 1. und 2. Klasse ausgezeichnet.

Nach Kriegsende war eine Weiterbeschäftigung beim Lloyd angesichts der Dezimierung der Flotte nicht möglich, ein Großteil der Schiffe war bereits während des Krieges zur Prise erklärt worden oder die Alliierten forderten später weite Teile des Schiffsparks als Reparationszahlung. Der NDL beurlaubte Nauer zunächst auf unbestimmte Zeit. Auch die Möglichkeit, als Plantagenbesitzer ein Auskommen in der Südsee zu erhalten, wurde durch die Enteignung des Besitzes in den deutschen Kolonien 1920 von den Australiern zunichte gemacht. Er verlor seine beiden Plantagen in der Südsee, deren Wert samt eines Bauplatzes in Tsingtau die Engländer auf angeblich 865.000 Goldmark schätzten. Tief enttäuscht schrieb Karl Nauer 1921: “Leider sitze ich jetzt mit Kolonie, Plantage und Schifffahrt hoch und trocken. Doppelt und dreifach reingefallen. Wegen der Zukunft macht man sich schon gar keine Sorgen mehr, viel zu abgestumpft.“

Der Versuch, mit geliehenem Geld einen verwahrlosten Bauernhof in Probstried im Allgäu zu bewirtschaften, missglückte. Nauer hatte keinerlei Erfahrung in der Landwirtschaft, und zu allem Unglück erkrankten die sieben Kühe an Maul- und Klauenseuche. „Ich konnte von dort aus 30 Kirchtürme sehen – das war aber auch alles. Ansonsten war es ein langsamer Tod.“

Glücklicherweise ging der Wiederaufbau des NDL Anfang der 20er Jahre zügig voran, im Januar 1923 bekam Nauer wieder einen Vertrag als 1.Offizier im La Plata-Dienst auf der Crefeld, und schon drei Monate später durfte er als Kapitän auf diesem Passagierdampfer fahren. Im August 1924 wechselte er zu der neu gebauten Sierra Morena und blieb bis zu seiner Pensionierung am 31. März 1935 Kapitän auf diesem großen Ozeandampfer, der hauptsächlich die Südamerika-Route befuhr.

Zum Ende seiner Kapitänslaufbahn verhinderte ein Ereignis seine kurz bevorstehende Beförderung zum Kommodore. Von Südamerika kommend lief Nauers Schiff 1935 in Bremerhaven ein, wo die Gestapo schon darauf wartete, ihn festzunehmen. Im Hafen kam ein Lotse an Bord und warnte Nauer, daraufhin versteckte ihn die Mannschaft an Bord seines Schiffes. Die deutschen Behörden wollten ihn verhaften, weil er einem katholischen Geistlichen bei der Flucht vor den Nationalsozialisten geholfen hatte. Nauer musste weitere Verfolgungen fürchten und kehrte erst nach Kriegsende nach Deutschland zurück. Aus Furcht vor Enteignungen durch die Nationalsozialisten überschrieb er sein Haus seinem Bruder Anton Nauer.

(Quelle: Magisterarbeit von Andrea Müller, Bremen, Januar 2002, m.w.H.)



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